Die Schiffsbohrmuschel Teredo navalis an der Mecklenburg Vorpommerschen Küste – Verbreitung und Befalls Risiko

Schiffsbohrmuscheln sind seit jeher, vor allem durch ihre zerstörerische Tätigkeit, allgemein bekannt. Die in der Ostsee verbreitete Art, Teredo navalis, bohrt tiefe Gänge in verschiedenste Hölzer im marinen Milieu und verursacht so enorme Schäden. Betroffen sind vor allem küstennahe Holzbauwerke an der Mecklenburg Vorpommerschen Küste, darunter die dem Küstenschutz dienenden Holzpfahl Buhnen. So wurden auf Hiddensee zwischen 2010 und 2012 insgesamt 22, dem Fraß der Schiffsbohrmuschel zum Opfer gefallene Buhnenreihen ersetzt. Es entstanden Kosten von drei Millionen Euro.
Während Teredo navalis in der Nordsee bereits seit einer verheerenden Massenentwicklung im Jahre 1730 bekannt ist, wird diese Art für die Ostsee erstmalig in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwähnt. Die Art gilt in der Ostsee daher als eingewandert. Seit einigen Jahren ist Teredo navalis zudem weiter in die östliche Ostsee vorgedrungen und findet ihre Verbreitungsgrenze derzeit um Hiddensee. Spannend und bisher unklar ist, warum es sporadisch immer wieder zu Massenentwicklungen von Teredo navalis kommt, die zum Teil auf bestimmte Küstenabschnitte beschränkt sind.
Um die aktuelle Befallsdichte, die Reproduktion und Entwicklung von Teredo navalis, sowie eine potentiell zu erwartende weitere Ausbreitung an der Mecklenburg Vorpommerschen Küste zu verifizieren, wird seit 2012 in der Abteilung Angewandte Ökologie & Phykologie eine detaillierte ökologische Freiland-Untersuchung im Auftrag des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umweltschutz durchgeführt. Daneben finden weiterführende Laborexperimente zur Physiologie der Art statt. Die Beantwortung der Frage inwieweit der Klimawandel die Ausbreitung von Teredo navalis an der deutschen Ostseeküste beeinflussen kann, ist für eine nachhaltige Planung von naturnahen Küstenschutzmaßnahmen von großer Bedeutung.



Förderung
Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt, Mittleres Mecklenburg (StALU MM)

Verantwortlich
Dr. Heike Lippert, Prof. Dr. Ulf Karsten, Michael Bugenhagen (StALU)

Antragsteller
Prof. Dr. Ulf Karsten

Laufzeit
2012 - 2019

Feldarbeit an der Mecklenburg-Vorpommerschen Küste (© Frank Bernhardt, TU Dresden)
Mit Teredo navalis besiedeltes Testholz
Spuren der Bohrtätigkeit von Teredo navalis (© Frank Bernhardt, TU Dresden)